In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die am häufigsten verwendeten Abwehrformationen im Handball. Die Formationen werden je nach den Stärken der Mannschaft, den Angriffstypen des Gegners und dem Spielverlauf gewählt. Einige Abwehrsysteme sind kompakter, während andere offensiv ausgerichtet sind und auf Ballgewinne setzen.
Die 6-0-Abwehr ist die gebräuchlichste und grundlegendste Abwehrformation im Handball. Alle sechs Abwehrspieler stehen nah am eigenen Tor – in einem Halbkreis entlang der Linie. Das macht die Formation leichter erlernbar und weniger anspruchsvoll in physischer und taktischer Hinsicht.
Die beiden äußeren Spieler (1er) decken die gegnerischen Außenspieler. Die 2er kümmern sich um die Rückraumspieler, und die 3er stehen zentral und sind für den Kreisläufer und den Spielmacher verantwortlich.
Die 6-0-Abwehr zwingt den Gegner zu Distanzwürfen. Deshalb ist es wichtig, dass vor allem die 2er nach vorne stoßen können, um wurfstarke Angreifer zu stören. Das nennt man „stoßende 2er“. Sobald die Gefahr vorbei ist, müssen sie schnell zurückfallen, um die Lücken wieder zu schließen. Sie müssen auch auf Laufwege und Sperren achten, die oft genutzt werden, um diese Abwehr zu knacken.
Ein weiterer Vorteil der 6-0 ist, dass die Spieler besser positioniert sind, um Gegenangriffe einzuleiten. Die Außenspieler haben weniger Defensivaufgaben und können schnell mit nach vorne laufen.
In der 5-1-Formation wird einer der zentralen Abwehrspieler nach vorne gezogen – typischerweise ein 3er. Der vorgezogene Spieler hat die Aufgabe, Druck auf den Spielmacher auszuüben und den Spielaufbau des Gegners zu unterbinden.
Der verbleibende 3er deckt nun den Kreisläufer und muss sowohl die rechte als auch die linke Seite unterstützen können. Die 2er erhalten dadurch weniger Unterstützung und stehen häufiger alleine gegen starke Rückraumspieler. Das stellt höhere Anforderungen an ihr individuelles Abwehrspiel.
Die 5-1 wird oft gegen Teams mit einem klaren Spielmacher eingesetzt, den man isolieren möchte. Die Formation erfordert jedoch viel Kommunikation und Laufbereitschaft – insbesondere vom vorgezogenen Spieler.
Die 3-2-1 ist eine sehr offensive und komplexe Formation, bei der drei Spieler nah an der Linie decken, zwei weiter vorne stehen und einer ganz vorne als „Jäger“ agiert. Sie erfordert großes Spielverständnis und synchronisierte Bewegungen.
Ziel der Formation ist es, den Rhythmus des Gegners früh zu brechen und den Ballführer unter Druck zu setzen. Sie ist effektiv gegen unerfahrene Angriffe oder Teams ohne klare Struktur – wird die Formation jedoch durchbrochen, entstehen große Räume hinter der Abwehr.
Die 3-2-1 erfordert ausgezeichnetes Timing, körperliche Überlegenheit und die Fähigkeit, das Spiel zu lesen. Sie wird vor allem von Jugendmannschaften und in Sequenzen eingesetzt – selten über ein ganzes Spiel auf höchstem Senioren-Niveau.
In der 4-2-Formation stehen vier Spieler nah an der Linie, während zwei vorgezogen sind – meist um die gegnerischen Rückraumspieler Mann gegen Mann zu markieren. Sie wird oft als Spezialwerkzeug gegen Teams mit zwei sehr wurfstarken Rückraumspielern eingesetzt.
Der Nachteil ist, dass Räume für den Kreisläufer geöffnet werden und große Beweglichkeit von den vier verbliebenen Spielern gefordert ist, die breit decken müssen.
5+1 ähnelt der 5-1, aber statt breit zu pressen, wird ein bestimmter Spieler eng gedeckt – typischerweise der Spielmacher oder der größte Star des Teams. Der vorgezogene Spieler folgt also einem bestimmten Spieler über das gesamte Spielfeld.
Das Ziel ist es, die wichtigste Anspielstation des Gegners aus dem Spiel zu nehmen und die übrigen Spieler zu zwingen, andere Lösungen zu finden. Der Nachteil ist, dass der Rest des Teams einen größeren Bereich abdecken muss und es häufiger zu 2-gegen-2-Situationen kommen kann.
Die Wahl der Abwehrformation hängt ab von:
Viele Teams beherrschen heute mehrere Formationen und wechseln während des Spiels zwischen ihnen – entweder systematisch oder als Reaktion auf den Gegner.
Abwehrformationen sind grundlegend im Handball und spielen eine entscheidende Rolle für Struktur und Ausgang des Spiels. Egal ob man die kompakte 6-0 oder die risikoreiche 3-2-1 wählt, es geht darum, nach den eigenen Stärken und den Schwächen des Gegners zu spielen.
Eine starke Abwehr beginnt mit einer funktionierenden Formation – und der Fähigkeit, sich anzupassen.